Mythos SL

Die Grundlagen des Mercedes-Benz SL liegen im Rennsport. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Mercedes-Benz den Rennsportwagen 300 SL in der Baureihe W 194 mit 170 PS/125 kW. Er trat 1952 erstmals an und dominierte die Saison: die Plätze zwei und vier bei der berühmten Mille Miglia durch Italien, ein Dreifachsieg beim Sportwagenrennen im schweizerischen Bern, ein Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans, ein Vierfachsieg beim Sportwagenrennen auf dem Nürburgring  in der Eifel und ein Doppelsieg bei der Carrera Panamericana in Mexiko – die Bilanz war mehr als nur glanzvoll.

Der Sportwagen für jedermann

Was lag da näher, als den Kunden das zu geben, wonach sie lechzten? Mercedes-Benz erkannte die Marktchancen und stellte im Frühjahr 1954 gleich zwei Serien-SL vor. Den 300 SL aus der Baureihe W 198 mit 215 PS (158 kW) würde man heute wahrscheinlich der Fahrzeugklasse der Supersportwagen zuordnen – das „Flügeltürer“-Coupé begeisterte sowohl Experten als auch das Publikum der größten Automobilmesse. Die technischen Grundlagen und die meisten Komponenten stammten aus dem Wettbewerbsfahrzeug, zugleich hatte der W 198 aber eine Karosserie voller Leichtigkeit und einen noch stärkeren Motor mit der effizienten Benzindirekteinspritzung. Das brachte ihm damals ein Alleinstellungsmerkmal unter den Seriensportwage.
Der 190 SL aus der Baureihe W 121 wurde zusammen mit dem 300 SL „Gullwing“ vorgestellt und war die perfekte Ergänzung im Portfolio: Die Karosserie erinnerte an den Flügeltürer, allerdings war das Fahrzeug als Zweisitzer gebaut. Der 190 SL mit 105 PS war bevorzugt als sportliches und zugleich komfortables Alltagsfahrzeug konzipiert. Die perfekte Symbiose von Sportlichkeit und Komfort charakterisiert die einmaligen Qualitäten aller nachfolgenden SL.

Kleine Veränderungen einer großen Historie

Der Mercedes-Benz 230 SL ersetzte dann 1963 die Typen 190 SL und 300 SL. Das Äußere war geprägt durch klare und schnörkellose Linien sowie durch das unverwechselbare SL-Gesicht samt dem großen zentralen Mercedes-Stern. Durch das Hardtop bekam er seinen Beinamen „Pagode“: Mit seinen hohen Scheiben hatte das von schmalen Säulen getragene Hardtop eine unverkennbare Leichtigkeit und erinnerte die Fans der Baureihe durch seine angedeutete nach innen gerichtete Wölbung an fernöstliche Sakralbauten.

Als Nachfolger wurde im Jahr 1967 der Mercedes-Benz 250 SL vorgestellt und im Jahr 1968 alsdann der 280 SL. Die SL-Baureihe mit der Bezeichnung R 107 rollte ab Frühjahr 1971 über die Straßen. Zum Genfer Automobil-Salon des Jahres 1989 präsentierte Mercedes-Benz  hiernach den SL der Baureihe R 129. Mit dem Fahrzeug trafen die Stuttgarter Autobauer wiederum ins Schwarze: Schon sehr bald waren die Produktionskapazitäten ausgelastet. Die Folge waren mehrjährige Wartezeiten.  

Tradition trifft Moderne

Die augenfälligste Neuerung der darauffolgenden SL-Generation war das sogenannte Variodach: Erstmalig gestattete es ein offenes Cabrio und ein Coupé in einem – die Verwandlung von einem Fahrzeug zum anderen geschieht innerhalb von nur 15 Sekunden. Das Karosseriedesign vereinte durch wohlüberlegte Details die Zukunft von Mercedes-Benz mit der glorreichen Vergangenheit. Dies wird auch bei den kommenden Generationen der SL-Baureihe von Mercedes-Benz die vorrangige Aufgabe bleiben.

Geheimnis gelüftet

Übrigens: Seit Jahrzehnten streiten Automobilexperten auf der ganzen Welt um die Bedeutung von "SL". Nie hatte Mercedes-Benz eine offizielle Stellungnahme hierzu verkündet: "Sport leicht" oder "Super leicht"? Nun, Anfang 2017, wurden im Archiv der Stuttgarter Autobauer Dokumente gefunden, die zweifelsfrei belegen, dass SL für "super leicht" steht. 15 Kilometer Archivregale mussten durchforstet werden, um eine offizielle Pressemitteilung zur Vorstellung des 300SL zu finden, auf der in Klammern die Auflösung der Abkürzung zu finden war. Ein Geheimnis weniger...