Nicht nur für 007 ein echter Gewinn: Der W108

Die Baureihe W108 wurde von Mitte 1965 bis Herbst 1972 produziert. Mit den Typen 250 S, 250 SE und 300 SE wurde im August 1965 eine neue Generation der Mercedes-Oberklasse präsentiert, die eine kaufkräftige Klientel ansprechen und deren Wünsche befriedigen sollte. Als Nachfolger der Heckflossen-Typen W 111 und W 112 hatten alle Modelle eine von Paul Bracq gezeichnete Karosserie, die sich mit einer klaren und unverschnörkelten Linienführung an das Coupé anpassen sollte.

Neuheiten innen und außen

Das technische Konzept entsprach indes weitestgehend den Vorgängern. Neu waren neben der Karosserie besonders die 2,5 Liter Motoren. Im Jahr 1968 wurde die Modellreihe nochmals überarbeitet und die Motoren, die Lenksäule und der Innenraum neu angepasst. Somit lief auch die Produktion des 250 SE aus und der 280 S und 280 SE wurden als Nachfolger vorgestellt. In der Motorisierung und den Ausstattungsdetails unterschieden diese sich teils erheblich von ihrem Vorgänger, zählten aber dennoch zur selben Baureihe W 108. Der neu entwickelte 2,8 Liter-Sechszylindermotor leistete in der Vergaserversion (S) 140 PS.

Technische Weiterentwicklung

Werkseitig gab es ausschließlich Viertürer-Limousinen mit 2 unterschiedlichen Radständen, die gewählt werden konnten. Die Bezeichnung SEL deutet auf den längeren Radstand hin. Als Sonderausstattungsmerkmale ging Mercedes-Benz mit dieser Baureihe in eine neue Ära ein. Sicherheit, Fahrgefühl und Fahrgastkomfort erhielten einen noch größeren Stellenwert im Gesamtkonzept der Baureihe. So waren Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, elektrisches Schiebedach oder Halogenscheinwerfer keine Seltenheit mehr. Es ging jedoch, je nach Wunsch, noch exotischer. In späteren Jahren bot Mercedes für diese Baureihe auch ein Tropen-Fahrwerk und Suchscheinwerfer an. Andere Neuheiten in den Ausstattungsmerkmalen gehören heute wie selbstverständlich zum PKW dazu. Der rechte Außenspiegel musste bei der Baureihe W 108 noch extra bestellt werden. Für die Sicherheitsgurte wurde später von einer „Sitzbank“ vorne für 3 Personen auf 2 Sitze umgestellt.

Kraft für die USA

Für den US-amerikanischen Markt hatte man parallel zum 3,5-Liter-V8-Motor eine im Hubraum vergrößerte Variante mit 4,5 Liter entwickelt, die ab Mai 1971 in den Exportmodellen 280 SE 4.5, 280 SEL 4.5 und 300 SEL 4.5 (W 109) ausgeliefert wurde. Dies war notwendig, um den strengen Abgasvorschriften der amerikanischen Behörden Genüge zu tun und mit einer niedrigeren Verdichtung dem damals teils noch niederoktanischen Treibstoff in den USA verarbeiten zu können. In den USA wurden die Fahrzeuge der Modellreihe W 108 zudem entsprechend der amerikanischen Gesetzgebung mit zwei übereinanderliegenden Rundscheinwerfern, den sogenannten Sealed Beam, angeboten.
 

Auch James Bond war begeistert

Übrigens: Im 007-Film „Octopussy“ machte sich die Baureihe W 108, speziell der 280S auch ausgezeichnet auf Schienen, als James Bond den Wagen von General Orlov entwendet hatte. Von der Nachahmung wird jedoch sowohl von uns als auch von der deutschen Bahn dringend abgeraten!